Gestaltung der Übergänge

Kinder und Eltern erfahren, dass der Übergang von der Familie in die Kita sowie von der Kita in die Schule für alle Beteiligten eine große Aufgabe ist.

Der Übergang aus der Familie in die noch unbekannte Kindertagesstätte oder Schule bedeutet für jedes Kind eine große Herausforderung für seine Fähigkeit, sich an neue Umgebungen anzupassen und Beziehungen zu fremden Personen aufzubauen.

Während der ersten Zeit ist das Kind mit unbekannten Räumen, fremden Erwachsenen und anderen Kindern konfrontiert. Es muss sich an neue Situationen, einen veränderten Tagesablauf und an die tägliche mehrstündige Trennung von den Eltern gewöhnen.

Diese Veränderungen fordern dem Kind Lern- und Anpassungsleistungen ab, die auch für ältere Kinder mit erheblichem Stress verbunden sein können. Übergänge müssen jedoch keine Belastung für Kind und Familie sein. Übergänge bergen Chancen und Risiken, sie sind Brücken zwischen bestimmten Lebensabschnitten.

Übergang von der Familie in die Waldkindergartengruppe:

Die dreijährigen Waldkindergartenkinder müssen sich auf neue Menschen und eine neue Umgebungsqualität, den Naturraum, einstellen. Hierbei benötigen sie die vollste Unterstützung von Eltern und Erziehern.

Alle Kinder profitieren davon, wenn ein Elternteil sie in den ersten Tagen begleitet und so eine Brücke zwischen der „alten und der neuen Welt“ baut.

Die Anwesenheit eines Elternteils gibt dem Kind Sicherheit. Die Bezugsperson bildet die sichere Basis, von der aus sich das Kind auf seine neue Umgebung andere Personen einlassen kann. Bildlich gesprochen soll die Mutter ihr Kind der pädagogischen Fachkraft übergeben und dem Kind signalisieren, ich habe Vertrauen zu diesem Menschen, in dessen Nähe kannst du unbesorgt sein.

Die Umsetzung der Eingewöhnung erfolgt in Anlehnung an das Berliner Modell: Die Grundlage des Modells ist die Beachtung der Bindung des Kindes an seine Mutter bzw. seine Eltern und der unterschiedlichen Bindungsqualitäten. In der Regel werden mit der Anwendung des Berliner Eingewöhnungsmodells eine bis ca. drei Wochen für die Eingewöhnung eines Kindes benötigt. Die konkrete Dauer der Eingewöhnung ist von Kind zu Kind unterschiedlich.

Die Eingewöhnung erfolgt in 5 Schritten:

  1. Der erste Kontakt: Das Aufnahmegespräch
    Das Aufnahmegespräch ist der erste ausführliche Kontakt zwischen Eltern und Bezugserzieher/-innen. Im Mittelpunkt stehen dabei das Kind mit seinen Bedürfnissen und die Eingewöhnung des Kindes in den Waldkindergarten.
  2. Die dreitägige Grundphase:
    Ein Elternteil kommt drei Tage lang mit dem Kind in die Einrichtung, bleibt ca. 2 Stunden und geht dann mit dem Kind wieder. In den ersten drei Tagen findet kein Trennungsversuch statt. Der Elternteil verhält sich eher passiv, schenkt aber dem Kind volle Aufmerksamkeit – der Elternteil als „Sichere Basis“. Der/die Erzieher/-in nimmt vorsichtig und behutsam Kontakt auf und beobachtet die Situation. Schritt für Schritt versucht der/die Erzieher/-in das Vertrauen des Kindes zu gewinnen.
  3. Erster Trennungsversuch und vorläufige Entscheidung über die Eingewöhnungsdauer:
    Der Elternteil kommt am 4. Tag in die Einrichtung, verabschiedet sich nach wenigen Minuten klar und eindeutig mit einem kleinen Abschiedsritual (z.B. Winken, Kuss etc.) und verlässt den Raum (bzw. Bauwagen / Waldplatz) für etwa 20 bis 30 Minuten, bleibt aber in der Nähe (evtl. im Auto bzw. außer Sichtweite). Wichtig ist für das Kind ein vertrautes Ablöseobjekt, wie z.B. Kuscheltier, Tuch oder Schal. Ist der 4. Tag ein Montag, erfolgt die erste Trennung erst am 5. Tag.
  4. Stabilisierungsphase:
    Nimmt das Kind den/die Erzieher/-in zunehmend als „Sichere Basis“ an, kann die Trennungszeit langsam ausgedehnt werden und das Kind täglich etwas länger im Kindergarten bleiben. Die Eltern (oder Bezugsperson) sollte jedoch jederzeit erreichbar (Handy) sein.
  5. Schlussphase:
    Der Elternteil hält sich nun nicht mehr in der Nähe des Kindergartens auf, ist aber jederzeit erreichbar. Die Eingewöhnung ist dann beendet, wenn das Kind sich von dem/ der Erzieher/in schnell beruhigen, ablenken und trösten lässt und es sicher und in grundsätzlich guter Stimmung spielen kann.

 

Übergang vom Waldkindergarten in die Grundschule:

Der Übergang vom Kindergarten in die Schule ist eine spannende, aber auch unsichere Phase im Leben eines Kindes und dessen Eltern.

Die notwendigen Voraussetzungen für den Anschluss zwischen den Systemen Kindergarten und Grundschule werden mit dem Begriff „Schulfähigkeit“ beschrieben.

Kinder sind in der Regel hoch motiviert, sich auf den neuen Lebensraum Schule einzulassen. Können sie auf vielfältige Erfahrungen und Kompetenzen aus ihrer Kindergartenzeit zurückgreifen, sind die Chancen meist sehr hoch, den neuen Lebensabschnitt mit Zuversicht, Stolz und Gelassenheit entgegenzusehen.[1]

Eine enge Kooperation mit der jeweiligen Grundschule finden wir außerordentlich wichtig und ist für uns unabdingbar.

Es ist uns ein Anliegen, die Lehrkräfte in den Wald einzuladen, damit sie sich vor Ort ein Bild von den Fähigkeiten und Stärken der Kinder machen, aber auch, um uns Anregungen zur Förderung im Vorschulbereich geben zu können.

Darüber hinaus sind Kooperationen mit den ersten Klassen angedacht. Gegenseitige Besuche und gemeinsame Aktionen im Wald sollen dazu beitragen, Übergänge fließend zu gestalten, gegenseitiges Verständnis zu fördern und Synergien für alle Beteiligten zu erreichen.